Bremer Zustände Teil III – Gegen jeden Antisemitismus!

In Bremen gibt es neuerdings ein Bündnis gegen Antisemitismus. Das ist erfreulich. Aus diesem Grund erklärt sich das Aktionsbündnis gegen Wutbürger mit diesem Zusammenschluss grundsätzlich solidarisch. Offen bleibt die Frage, ob mit diesem Bündnis eine Kritik des Antisemitismus zu machen ist. Unsere Position: Es ist einen Versuch wert.

Dazu wäre es notwendig, sich kritisch mit dem im Internet veröffentlichten Aufruftext auseinanderzusetzen. Dass Kritik in Bremen nicht nur auf taube Ohren stößt, selbst wenn teilweise ein wenig verkrampft so getan wird, als hätte man sie nicht gehört, beweist allein die schnelle Formierung des Bündnisses gegen Antisemitismus nach der Veröffentlichung der Texte „Bremer Zustände“ Teil eins und zwei, wobei besonders ersterer aufgrund einer Verlinkung auf der „Achse des Guten“ bereits am Veröffentlichungstag über 1300 Seitenaufrufe erzielte. Dass trotzdem so getan werden muss, als hätte man davon nichts mitbekommen und als habe das Bündnis nichts mit der Kritik an Kooperationen mit der Linkspartei und insbesondere ihrer Stiftung zu tun, während man gleichzeitig aber scheinbar sehr entschlossen „gegen jeden Antisemitismus“ auftritt, ist natürlich ein nicht unerheblicher Geburtsfehler.

So ist es auch kein Wunder, dass der Aufruf allerlei linke Stilblüten und Ärgernisse bereithält, die die Bildung eines breiten Bündnisses gegen Antisemitismus in Bremen unnötig erschweren. Besser wäre es gewesen, den Minimalkonsens zu formulieren, nämlich den, dass man die Bremer Antisemiten und ihre Umtriebe nicht duldet, dass man sie politisch isoliert. Zu diesem Zweck kann ein Bündnis nicht breit genug sein und hätte alle einzuschließen, die das Treiben von Strohmeyer und Konsorten unerträglich finden. Indem das Bündnis, das nur aus linken Gruppen besteht, aber lediglich an andere linke Gruppen appelliert, nicht mit den Antisemiten zu paktieren, hat es den Minimalkonsens jeder Antisemitismuskritik bereits unterboten. Ja schlimmer noch: Teilweise ist nicht einmal mehr von Antisemiten die Rede, sondern euphemistisch von „antisemitischen Positionen“ – „denn es gibt keine Antisemiten mehr“ (Horkheimer/Adorno).  Dass man mit Antisemiten nicht gemeinsame Sache macht, das versteht sich von selbst – oder es versteht sich nicht, und dann ist man, wie die gesamte Bremer Linkspartei und der Asta der Uni Bremen, kein Teil der Lösung, kein Ansprechpartner, an den man einen Appell zu richten hat, sondern der Gegner. Das Gerede von„antisemitischen Positionen“ ist nichts weiter als die Verdrängung dieser auf der Hand liegenden Erkenntnis.

So sind die Absichten einiger Bündnispartner durchsichtig: Man will die Kritik, man mache sich mit Antisemiten gemein oder trete ihnen nicht entschieden genug entgegen, zurückweisen, ohne den fälligen Bruch mit linken Zusammenhängen zu wagen. Man will weiterhin mit den Teilen der Linken paktieren, die zwar den antisemitischen Ergüssen eines Arn Strohmeyers auf keinen Fall zustimmen würden, gleichzeitig aber immerfort von „legitimer Israelkritik“ faseln und die „Einheit des linken, antifaschistischen Lagers“ propagieren, ganz so als sei es vollkommen nebensächlich, wer nun gerade welche Haltung „zu Israel“ (Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten) vertritt und als sei es nicht die selbstverständlichste Sache der Welt, „für Israel“ (Redaktion Bahamas) zu sein.

Das Ziel lautet, in Zukunft auf Aktionen von Strohmeyer und Konsorten entschieden zu reagieren und ihren Einfluss zu minimieren. Mindestens ebensowichtig wäre es aber, die Kritik des Antisemitismus im Gewand des Antizionismus voranzutreiben. Damit dies möglich ist, muss man den Irrtum, dass Antisemiten nichts in „linken Zusammenhängen“ zu suchen hätten, hinter sich lassen – vielmehr hat man dort selber nichts mehr verloren, muss man sich aus dem linken Sumpf herausarbeiten. Das Aktionsbündnis gegen Wutbürger lädt alle Bremer, die entschieden „gegen jeden Antisemitismus“ kämpfen, herzlich dazu ein.

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5 Antworten zu Bremer Zustände Teil III – Gegen jeden Antisemitismus!

  1. hmhm schreibt:

    Dass man mit Antisemiten nicht gemeinsame Sache macht, das versteht sich von selbst – oder es versteht sich nicht, und dann ist man, wie die gesamte Bremer Linkspartei und der Asta der Uni Bremen, kein Teil der Lösung, kein Ansprechpartner, an den mein einen Appell zu richten hat, sondern der Gegner.

    Genau! Elvira Noa und Pantilejew raus aus anti-antisemitischen Büdnissen111!!! Haben mit dem Friedensforum schließlich – wissentlich und nach dem Boykott – gemeinsam ein Konzert in der Evangelikalen-Gemeinde beworben, siehe:

    http://www.bremerfriedensforum.de/bilddat/Flyer_Konzert_30_10_11_Kulturkirche-1.pdf

  2. abgwb schreibt:

    Im Übrigen scheint auch die Blogger-Szene zu versuchen, unsere Aufklärungsarbeit krampfhaft zu ignorieren. Bonde guttenbergt in seinem Blogbeitrag, indem er die Quelle für das Zerstören der Brunnen unterschlägt (http://www.verbrochenes.net/2011/12/07/antisemiten-raus-aus-der-villa-ichon/) und reflexion erwähnt es vorsichtshalber gar nicht (http://reflexion.blogsport.de/2011/12/12/gegen-jeden-antisemitismus/).

  3. ralf schreibt:

    nur weil du nen blog machst, heisst das nicht, dass auch jeder davon kenntnis nimmt. was auch gut so ist…
    hab mir das mal angeguckt gerade, was für ne kacke du hier fabrizierst. engagement gegen antisemitismus ist ja schön und gut, aber nützt trotzdem nichts dagegen, dass du dich durch deine offene zuneigung zu rechtspopulistischen parteien selbst disqualifizierst.

  4. abgwb schreibt:

    Leider nimmt nicht jeder davon Kenntnis, die Personen, die hier angesprochen wurden, allerdings offensichlicherweise doch.
    Ich wäre dankbar für den Nachweis der offenen Zuneigung zu rechtspopulistischen Parteien. Oder ist das die alte Bernhard-Schmid-Methode, einfach irgendetwas zu erfinden?

  5. abgwb schreibt:

    Hmm, keine Antwort. Nicht verwunderlich. Stattdessen andernorts neue Unterstellungen. Auch ist das Aktionsbündnis gegen Wutbürger noch nirgendwo als Unterstützer des „Bündnis gegen Antisemitismus“ geführt, das wohl eher ein Linkes Bündnis ist als eines gegen Antisemitismus. Stattdessen lässt man sich lieber von der taz als „Philosemiten“ beschimpfen. Dieses Bündnis ist endgültig gescheitert.

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