Bremer Zustände IV – Der beleidigte Herr S.

Bremer Antisemiten wollen um keinen Preis genannt werden, was sie sind. Sie können sich sicher sein, dass man ihre Positionen „zu Israel“ zwar nicht voll und ganz (sondern nur weitestgehend) teilt, sie aber dennoch als ehrbare und wertvolle, dem Frieden verpflichtete Mitglieder der Volksgemeinschaft anerkennt.

Der bekannteste Bremer Antisemit, der Friedensaktivist, Journalist und „Autor“ Arn S., war es gewohnt, dass man zwar Aktionen wie die Boykottkampagne gegen Israelische Früchte oder seine Rede vor einem offen antisemitischen Plakat maßvoll und besonnen „kritisiert“, so wie dies diejenigen politischen Kräfte tun, die sich in Bremen überhaupt mit den Umtrieben des Bremer Friedensforums, des AK Süd-Nord und des Landesverbandes der Partei „Die Linke“ befassen. Eine solche „Kritik“ kann das erfahrungsresistente Subjekt souverän zurückweisen, schließlich sind einige seiner besten Freunde und Gesprächspartner selbstredend Juden, so wie zum Beispiel Moshe Zuckermann oder Felicia Langer. Zutiefst beleidigt reagiert er aber, wenn man ihn selbst aufs Korn nimmt, also dem Gebot der Logik folgt, dass es ohne Antisemiten keinen Antisemitismus geben kann. In einem offenen Brief an Ralph Giordano heißt es:

Ich selbst werde von – natürlich anonym im Internet auftretenden – sog. antideutschen Israelfreunden als „Beauftragter der Linkspartei für die Endlösung der Israelfrage“ bezeichnet. Ich gehöre weder der Linkspartei an noch habe ich jemals das Existenzrecht Israels bestritten, sondern kritisiere lediglich die Politik dieses Staates, was unter Demokraten ja möglich sein sollte. Solche denunziatorischen Äußerungen haben genau das Niveau, dessen mich/uns diese Leute beschuldigen – es ist Hetze im „Stürmer“-Stil.

Nun stimmt natürlich, wie bei Arn S. üblich, hier fast nichts. Weder wurden er und seine Genossen vom Aktionsbündnis gegen Wutbürger der Hetze im Stürmer-Stil bezichtigt, noch ist ein „Beauftragter“ zwangsläufig Mitglied der Linkspartei. Auch wurde ihm nicht unterstellt, er würde das Existenzrecht Israels infrage stellen – es reicht ihm ja vollkommen aus, wie hinlänglich nachgewiesen, Forderungen aufzustellen, die Israels Existenz objektiv verunmöglichen. Sollte Israel dann als jüdischer Staat nicht mehr existieren können, wird Arn S. als aufrechter Philosemit dies sicherlich zutiefst bedauern und die Gewalttaten gegen Juden verurteilen.

Interessanter ist jedoch die Aussage, dass die Verbreitung seiner antiisraelischen Tiraden „unter Demokraten“ doch wohl legitim, eine Kritik seines lupenreinen antizionistischen Antisemitismus aber „Hetze im Stürmer-Stil“ sei – und als solche von dem, was unter „Demokraten“ erlaubt sei, ausdrücklich ausgeschlossen ist. So verwundert es nicht, dass der beleidigte Herr S. sich nicht nur in offenen Briefen darüber auslässt, sondern seiner Liebe zum autoritären Staat dadurch Ausdruck verleiht, dass er dem Aktionsbündnis gegen Wutbürger den Staatsanwalt auf den Hals hetzt. So sehr er sich doch als mutiger Kämpfer für Meinungsfreiheit geriert, so sehr er insbesondere Israel vorwirft, gegen Kritiker angeblich mithilfe der Staatsgewalt vorzugehen, so wenig hält er es mit der Redefreiheit und so wenig ist er bereit, Kritik an seinen Auslassungen als Bestandteil einer sogenannten „Demokratie“ zu akzeptieren.

Wie bei Israelkritikern üblich, ist sein Israelbild reine Projektion. Was er Israel vorwirft, nämlich ein autoritärer Staat zu sein, der gewaltsam gegen seine Gegner vorgeht, entspringt weniger den Gegebenheiten im Nahen Osten als den eigenen autoritären Sehnsüchten. Wäre er ein Vorkämpfer demokratischer Rechte, der Redefreiheit und des Pluralismus, so würde ihm im Traum nicht einfallen, gegen Kritiker die Staatsmacht zu mobilisieren, um diese endgültig mundtot zu machen. Bereits in unserem Text Bremer Zustände hatten wir diesen Prototyp eines autoritären Charakters entlarvt und (zu) optimistisch festgestellt: „zum Glück hat er kein Amt hinter sich, sondern nur eine handvoll abgehalfterter Elendsgestalten“. Jeder kann sich ausmalen, was passierte, wenn solche Gestalten tatsächlich über Macht verfügen – die folgenden Säuberungen würden nicht an Israel, sondern an den Stalinismus erinnern.

Denn in Deutschland und erst Recht in Bremen gehört der Israelhasser selbstverständlich zur „Gemeinschaft der Demokraten“ und darf selbstredend darauf hoffen, dass seine Obsession auf Verständnis und seine Wut über die Kritik seiner Umtriebe auf tiefstes Verständnis stößt. Während sich in einem republikanischen Staat jeder Antisemit und andere Spinner zwar äußern darf, so ist es dort keine Angelegenheit des Staates, wenn diese Äußerungen kritisiert und verächtlich gemacht werden. In Bremen dagegen reicht es aus, dass einer wie der beleidigte Herr S. einen Anwalt beauftragt, um einen Staatsanwalt zu mobilisieren, der gegen Martin Focke wegen angeblicher „Beleidigung“ des Herrn S. ermitteln lässt, anstatt herzhaft zu lachen und den Fall einzustellen.

Es bleibt der traurige Befund: Wer Antisemiten als solche benennt, deren Befindlichkeiten in Bremen offenkundig kein Fall für den Psychotherapeuten, sondern für den Staatsanwalt sind, der riskiert in einem Land, in dem die „Gemeinschaft der Demokraten“ einstimmige Resolutionen gegen Israel verabschiedet, denen sogar ein Arn S. zustimmen könnte, eine Prozesslawine, auch wenn der Sachverhalt eindeutig ist.

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