Helmut Schümann

Dass sich Wut und Hass am liebsten im Namen von Frieden, Toleranz und Liebe äußern, ist ein alter Hut, spätestens seit Onkel Adolf seine berüchtigten Friedensreden hielt. Selten jedoch ist ihm dies so gut gelungen wie Helmut Schümann am 26.07. im Tagesspiegel, weswegen Helmut Schümann als Wutbürger der Woche ausgezeichnet wird.

Auf den Wahnsinn der Kommentierungen der Anschläge von Norwegen wurde an anderer Stelle bereits eingegangen. Schümann konnte sich deswegen gegen die harte Konkurrenz durchsetzen, weil er ganz im Sinne von Svein Sevje , dem norwegischen Botschafter in Israel, einen Bogen schlägt zu etwas, das mit Anders Behring Breivik und seiner Tat nichts zu tun hat und was er immer schon einmal sagen wollte: Israel ist ein intolerantes Land. Wie man diesen logischen Unfug hinbekommt? Zuerst einmal muss der Täter falsch beschrieben und eingeordnet werden, um ihn zu einem religiösen Fanatiker zu machen, der er nicht ist:

Der furchtbare Mörder aus Norwegen hasst die multikulturelle Gesellschaft. Mithin hasst er auch die Toleranz, die Andersartigkeit, die Vielfalt, letztlich hasst er auch die Liebe. Er gibt vor, im Namen einer Religion gehandelt zu haben, ein Fanatiker.

Jeder würde nun Ausführungen erwarten zur Person Breivik oder eine Entfaltung der typisch wutbürgerlichen Verdammung der Islamkritik, der bösen, intoleranten Mitmenschen oder der rassistischen Gesellschaft. Schümann hält sich damit gar nicht erst auf. Für ihn führt die Spur von Breiviks Hass direkt nach Israel. Völlig unvermittelt setzt er so fort:

Hierzu noch eine Geschichte aus einer ganz anderen Welt: In Gusch Etzion, einer Ansammlung kleiner Siedlungen im Westjordanland, liebt eine junge Frau, sie ist Kassiererin in dem Supermarkt „Rami Levi“, einen jungen Mann. Auch der junge Mann, er ist Packer im gleichen Supermarkt, liebt die junge Frau von Herzen, wie schön könnte diese Geschichte sein, zumal sie beweist, dass Feindschaft nicht unverbrüchlich ist, nicht immer und ewig währt, sondern die Liebe die Welt zusammenhält.

Von den Lesern des Tagesspiegels ist nicht zu erwarten, dass sie kritisch nachfragen, was dieser Unfug soll oder was die Liebesgeschichte eines Packers und einer Kassiererin im Supermarkt von Gusch Etzion mit dem Massaker in Norwegen zu tun hat. Noch schlimmer ist allerdings, dass sie nicht sofort ihren Revolver entsichern, sobald ein Schümann von „Liebe“ salbadert, die die Welt im Innersten zusammenhalten soll. Denn wenn einer anhebt, von denen zu reden, die die Liebe hassen, dann ist klar, dass die Liebe, also das, was in finsteren Zeiten noch einzig Aussicht auf Glück verspricht, auf furchtbarste Weise zu einem Kampfbegriff instrumentalisiert werden soll und somit wie der Begriff des Friedens, der einer des Kriegs gegen den Westen geworden ist, zu einer Hassparole verkommt. Schümann lässt uns wissen:

Doch leider, es ist die alte Geschichte von Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde, von Romeo und Julia und auch die von Tony und Maria von der West Side in New York. Die Geschichte von der Liebe, die sich wehren muss gegen die widrigen Umstände. Denn unsere liebende Kassiererin ist Israelin. Und der liebende Packer ist Palästinenser. Na und, möchte man sagen, es ist eben wie es ist, wenn die Herzen sich öffnen und Hände ineinander greifen. Aber so ist es eben nicht. Weil sich nämlich der örtliche Rabbiner an diesem friedvollen Vorbild stört und die Leitung des Supermarktes aufgefordert hat, Maßnahmen zu ergreifen, um Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu verhindern. Vorausgegangen waren ein Boykottaufruf rechter jüdischer Gruppierungen gegen das Geschäft und Kritik an interreligiösen Partnerschaften. Bisher war es so, dass an den Kassen junge israelische Siedlerinnen arbeiteten, wohingegen die Lieferanten und Packer überwiegend arabischer Herkunft waren. Nun, so hat die Geschäftsführung beschlossen, werden die Kontaktmöglichkeiten stark eingeschränkt.

Das ist natürlich eine traurige und anrührende Geschichte, die uns Schümann da im Namen der Liebe erzählt. Dass es ihm nicht darum geht, das private Glück des Packers und der Kassiererin zu verteidigen, sondern deren Liebesgeschichte für seinen Hass zu instrumentalisieren, macht ihn zum logischen Preisträger. Denn wie er nun wiederum unvermittelt und ohne jeden logischen Übergang den Sprung zurück nach Norwegen schafft, israelische Rabbis mit Nazis, Islamisten und Breivik auf eine Stufe zu stellen und sie alle unter den Oberbegriff „religiöse Fanatiker“ zu subsummieren, um dann noch mit der Parole aller Stammtischnazis zu enden, dass man das wohl noch sagen dürfe, lässt einem keine andere Wahl, als Schümann zum Wutbürger der Woche zu erklären:

Sehr zur Zufriedenheit des Rabbiners, wie die Tageszeitung „Haaretz“ berichtet. Eigentlich sollte der Rabbiner besser wissen, welchem Ungeist Rassismus und Rassenschande entspringt. Man muss natürlich sagen, dass sich ein vergleichender Blick auf den furchtbaren norwegischen Massenmörder verbietet. Aber dass die grundsätzlichen Gedankengänge religiöser Fanatiker immer gleich verworren sind, darf man auch sagen.

Höchste Zeit für den Tagesspiegel, diesen Volksempfänger ein für allemal abzuschalten.

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