Bonde

Dass sich der Hass und die Wut auf antideutsche Kritik inzwischen ungehemmt auch in solchen Kreisen äußert, die vermeintlich israelsolidarisch daherkommen, vielmehr aber Teil des Problems „Deutsche Linke“ (mit Betonung auf „Deutsche“) sind, verwundert gerade in Bremen niemanden mehr. Schließlich ist Bremen der Ort, an dem vor knapp einem Jahr die „Antinationale Gruppe“ einen von Anfang an missratenen Kongress veranstaltete (Zitat aus der Einladung: „Haben wir es hier mit Aspekten nationalsozialistischer Kontinuitäten im Postnazismus oder mit der allgemeinen Logik von Staat, Nation und Kapital, mithin keiner ‚deutschen Besonderheit‘, zu tun?“) auf dem niemand dümmeres als Lars Quadfasel aufgeboten wurde, um vermeintliche „antideutsche Sprachzerstörung“ zu geißeln und Kritik auf der Höhe der Zeit zu liefern. Die Quintessenz seines Vortrags lautete wie folgt:

Wenn man überhaupt wieder mal revolutionäre Theorie machen will, revolutionäre Kritik – ich verbessere mich, sonst gibt das Missverständnisse – also die Verhältnisse im Hinblick auf ihre Aufhebbarkeit visieren, dann wären weniger die letzten Residuen von Freiheit zu verteidigen, das bürgerliche Subjekt, der Liberalismus, was auch immer, sondern wenn dann alle Hoffnung auf den fortschreitenden Subjektzerfall zu setzen. Der Subjektzerfall, den ich versucht habe zu beschreiben, wird natürlich mit ziemlicher Sicherheit eklig. Vielleicht wird er nur ein bisschen eklig und es kommt sowas wie ein Rentnerfaschismus raus: Boshaft, aber kraftlos. Vielleicht aber wird es sogar dafür sorgen, dass dieses Land den Weg alles belgischen geht, also friedlich sich irgendwie zerfleischen, ohne dass es den Rest der Welt besonders stört, was für uns natürlich blöd wäre, aber für den Rest der Welt schön. Vielleicht könnte sogar bei diesem Zerfall, bei diesem Subjektverfall, die Energie freigesetzt werden, die der Umsturz braucht, und von Adorno stammt der Gedanke, dass der Ich-Zerfall natürlich auch immer eine gerechte Strafe ist für die Selbstherrlichkeit des bürgerlichen Subjektes. Das, glaube ich, ist sozusagen stärker als ein sehr kraftloses Verteidigen irgendwie des Westens, der bürgerlichen Subjektivität, was auch immer, es ist aber gleichzeitig Zukunftsmusik. Für das gegenwärtige „Was tun?“ kann ich eigentlich gar nicht so viel sagen, außer vielleicht das: Dass man aufhören sollte, sich ständig irgendwie selber diese, diese ständige Selbstzensur oder was auch immer, dass man sich trauen sollte, die großen Fragen zu stellen, also wie, wo bei Kant alles Fragen aufhört, die nach Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, ohne dass immer schon vorab rauskommen muss, dass man den Westen verteidigen muss. Das versteht sich von selbst oder es versteht sich gar nicht, dass die zivilisatorischen Errungenschaften natürlich bewahrt und aufgehoben werden müssen, aber es wäre doch gerade das zu Erringende an den zivilisatorischen Errungenschaften, dass sie das Gegenteil ermöglichen, dass sie nämlich ermöglichen, zu denken was – und ich schließe nochmal mit einem Wolfgang Pohrt-Zitat, das mir ausnehmend gut gefällt, weil es tatsächlich in die Zukunft weist: „2000 Jahre Abendland sind genug!“

Nimmt man diese vollkommen verhunzte Passage ernst, bleiben zwei zentrale Aussagen: Erstens„irgendwie“ und zweitens „was auch immer“. Was auch immer Adorno denn wirklich gesagt hat, soll hier Adorno gegen Adorno in Stellung gebracht werden. Ein solcher Versuch ist natürlich irgendwie zum Scheitern verurteilt, wenn man sich gar nicht so recht darum schert, was man selbst eigentlich vor sich hin faselt. Was auch immer Adorno wirklich gemeint hat und warum er den Ich-Zerfall nicht wünschte, warum man ihn eben nicht zu einer Art Nietzsche machen kann, dessen Ausspruch „Was fällt, das soll man stoßen“ Quadfasel auf derselben Konferenz ebenfalls zustimmend zitierte, wird schlicht und ergreifend vernebelt. Dass Adorno den Subjektzerfall so wenig herbeiwünschen konnte wie den Ich-Zerfall, weil er an sich und seiner Subjektivität, seiner Existenz festhalten wollte, erklärt auch, warum Quadfasel in seinem postmodernen Geschwätz auf Nietzsche zurückgreifen und einem diesen für einen Adorno vorzumachen trachtet. Denn sein irgendwie zusammengeschustertes „Epitaph auf die antideutsche Bewegung“ sowie seine Sehnsucht nach Rentnerfaschismus und Subjektzerfall deuten lediglich darauf hin, dass das Subjekt Quadfasel bereits im Verfall begriffen ist und in seiner Todessehnsucht, die er durch seine gruselige Erscheinung und seine gelangweilte, gleichgültige Sprache und Sprechmelodie deutlich unterstreicht, sich nichts sehnlicher wünscht als die anderen Subjekte auch untergehen zu sehen. Insofern ist die postantideutsche Ideologie bei Quadfasel ganz bei sich selbst, d.h. bei der deutschen Ideologie angekommen.

Einer, der im Gegensatz zu Quadfasel keinen Satz Adorno gelesen hat, dafür aber eine Menge unverdauten Quadfasel intus hat und im Internet dem ungepflegten Pennälerwitz nach Vorbild Hermann Ludwig Gremlizas irgendwie frönt, nennt sich Bonde und schreibt in unregelmäßigen Abständen das Weblog verbrochenes.net mit antiantideutschem Unfug voll. Diesmal versucht er sich an Gerhard Scheit, was natürlich nur in die Hose gehen kann. Dafür erntet er aber vollkommen zu Recht eine Menge vergiftetes Lob wie das eines gewissen kevin, der den geistigen Gehalt des Bondeschen Geschreibsels auf den Begriff bringt:

Sehr schön, warte schon lange drauf, dass sich endlich jemand mit der Phrasendrescherei, die sich Ideologiekritik nennt und hochideologisch daher kommt, auseinandersetzt. Gut, war insbesondere Scheit ernstzunehmen und anhand seiner Worte, die Inhaltsleere derselben aufzuzeigen. Ich gebe es zu, mir ist das zu anstrengend. Konsumgeil wie ich bin, schalte ich bei einem Satz, der länger als 4 Zeilen ist, einfach um. Es gibt wichtigeres im Leben, als sich mit Leuten auseinanderzusetzen, deren Wirkungsgrad über Wien oder Berlin-Kreuzberg nicht hinausreicht.

Weil Bonde aber für sich in Anspruch nimmt, ausgezeichnetes Deutsch zu schreiben und ein kritischer Blogger zu sein, muss er diese Aussage natürlich anders verpacken. Keineswegs darf er seinen Hass auf Scheit und Adorno, also auf Menschen die den Konjunktiv benutzen und einen Gedanken so zuspitzen können, dass die Aussage über eine Tautologie hinausgeht, einfach so zugeben. Schreibt sich ein solcher Wutbürger einmal in Rage, dann muss ihm sowohl der Gehalt des kritisierten Textes als auch die simple Tatsache entgehen, dass Zeichen auf etwas hindeuten können. Doch wie kommentiert das der selbsternannte „Sprachkritiker“: Ganz im Sinne seines geistigen Ziehvaters Lars Quadfasel: „Was auch immer“, d.h. in diesem Falle „Sei es drum“. Es ist ja auch egal, Hauptsache die kevins freuen sich.

Ganz im Sinne Quadfasels, der stoßen will, was ohnehin im Fallen ist, um die Barbarei und das Ende der eigenen kläglichen Existenz endlich herbeizuführen, erklärt uns Bonde, dass die Kritik am Islam unnützer Krempel sei:

Fight on, Gerhard. Fight on. Mich würde nur interessieren, wie dieser Kampf im Idealfall abläuft. Schreiben Scheit und Genossen noch mehr Artikel, die niemand lesen kann? Und wird der Islam weniger attraktiv für seine autoritären, antisemitischen, frauenfeindlichen und tendenziell faschistischen Anhänger, wenn durch die “radikale Kritik” ans Licht kommt, dass er im Kern autoritär, antisemitisch, frauenfeindlich und tendenziell faschistisch ist?

Dass ein Adorno-Hasser und Quadfasel-Fan nicht wissen kann, dass die fast unlösbare Aufgabe darin besteht, weder von der eigenen Ohnmacht noch von der Macht der anderen sich dumm machen zu lassen, ist noch ersichtlich. Warum aber einer, der in auch irgendwie kritischer Absicht blogt, aus der Tatsache, dass Kritik wahrscheinlich ein vergebliches Unterfangen ist, vor allem wenn sie an erfahrungsresistente, im Zerfall begriffene Subjekte gerichtet wird, zu denen längst nicht nur Moslems, Breiviks und Linke zählen, ableitet, dass diese Kritik eben nicht nur wahrscheinlich vergebens, sondern ganz und gar sinnlos und nicht umso dringender geboten sei, bleibt rätselhaft. In Ermangelung eines Karl-Kraus-Preises und in der traurigen Gewissheit, dass der Autor dieses intellektuellen Suizidversuchs nicht aufhören wird, Unfug zu verzapfen, kann das Aktionsbündnis gegen Wutbürger lediglich den verdienten Preis „Wutbürger der Woche“ an Bonde verleihen.

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