Günter Grass (2)

Die Ehre, als erster Kandidat bereits zum zweiten Mal als Wutbürger der Woche ausgezeichnet zu werden, wird niemand blöderem zuteil als dem Literaturnobelpreisträger, Großschriftsteller und Waffen-SS-Mann der Herzen, Günter Grass. Zur Begründung:

Als wollte er nicht nur demonstrieren, dass die überstrapazierte Aussage Adornos, dass nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben barbarisch sei, nicht nur nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt hat, sondern als wollte er darüber hinaus auch noch zeigen, dass in barbarischen Zuständen sogar noch dann „gedichtet“ wird, wenn die Atomrüstung und die Vernichtungsdrohungen des Iran gegen den jüdischen Staat Israel ein neues Auschwitz bereits erahnen lassen, legt Grass los:

Was gesagt werden muss

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

Großschriftsteller kann in der Bundesrepublik Deutschland offenbar nur werden, wer nicht nur in jungen Jahren der deutschen Erweckungsbewegung angehörte, sondern wer sich auch treu blieb und im ewigen Juden die Gefährdung des „ohnehin brüchigen“ Weltfriedens sieht, den es nie gegeben hat und nie geben wird, solange Antisemiten wie Grass zum Marsch auf Jerusalem blasen. In der Grass’schen Projektion der eigenen sowie auch der iranischen Vernichtungswünsche auf den Judenstaat drückt sich die ekelhafte „Wiedergutwerdung“ derer aus, die doch auf alle Zeiten das Maul zu halten hätten, aber dennoch weiter schreiben und „dichten“, natürlich zutiefst moralisch und anklagend, als hätten sie nicht jedes Recht dazu längst verloren.

Aus diesem Grund wird Günter Grass erneut zum Wutbürger der Woche ernannt.

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