Henryk M. Broder

Wer das Webportal „Achse des Guten“ aufruft, wird sich unangenehm an die taz erinnert fühlen, also an jene kleine Zeitung, die in permanenten Kampagnen um Abonnenten bettelte, um den drohenden Untergang des kritischen Journalismus im Allgemeinen und der taz im Besonderen abzuwenden. Bei der Achse klingt das Betteln um finanzielle Unterstützung so:

Mit 59,50 Euro jährlich sorgen sie dafür, dass wir weiterhin beschimpft werden.

Und außerdem, dass

  • es die Achse weiterhin gibt und alle sie kostenfrei lesen dürfen

  • wir unangepassten Journalismus betreiben können

  • die Achse die Medienlandschaft mit neuen Ideen aufmischt.

Es ist wirklich keine Neuigkeit, dass man nicht gleichzeitig unangepassten bzw. kritischen Journalismus machen und sich an seine Leserschaft herankumpeln kann. Wer heutzutage von sich behauptet, er betreibe unangepassten Journalismus, er mische die Medienlandschaft auf und lasse sich dafür auch gern anfeinden, der ist meist in der Schmuddelecke unterwegs, in der Webportale wie PI ihr Unwesen treiben und aus der die Wutbürgerpartei AfD ihre Wähler rekrutiert. Die Überschneidungen in der Leserschaft mit Verschwörungstheoretikern aller Art, Montagsdemonstranten, Reichsbürgern und Jürgen Elsässers Schmierblatt bleiben also nicht aus, erst Recht seit man mit Akif Pirincci endgültig dort angekommen ist, wo sexualpathologisch gegen die „Versifften“ gehetzt wird.

Wäre man nun so kritisch und unangepasst, wie man sich gerne geriert, dann müsste man gerade dort ansetzen und gegen diese Ressentiments der eigenen Leserschaft anschreiben. Einer, der das in Sachen Israel regelmäßig tut, ist das Aushängeschild der Achse, Henryk M. Broder, der sich aber ansonsten immer weiter seiner Leserschaft angleicht. Bereits seit Jahren ist an ihm das „Gremliza-Syndrom“ zu bemerken: Mit zunehmendem Alter kommt kaum eine Abrechnung und kaum ein Witz ohne sexualisierte Anspielungen aus, die zunehmend immer weniger über die Adressaten und stattdessen umso mehr über den Absender aussagen. Vom Kichern des Lustgreises ist es zur offen homophoben Invektive gewöhnlich nicht mehr weit, wie das Beispiel Gremlizas zeigt, der einst den Vorschlag machte, Matthias Küntzel eine Speerspitze halbhoch hinten, also rektal, einzuführen.

Broders Coming Out, das ihn zum idealen Preisträger macht, wurde am 8. Oktober unter der Überschrift Fragen Sie Frau Karl auf der Achse des Guten veröffentlicht und stellt ein verheerendes Zeugnis des Verfalls eines Kritikers zum bloßen Wutbürger dar. Denn ganz wie diese sich ereifern, wenn sie von der Polizei z.B. an die Einhaltung der StVO oder sonstiger sinnvoller Regeln des Zusammenlebens gemahnt werden, die Ordnungshüter mögen doch bitte richtige Verbrecher jagen gehen, empört Broder sich darüber, dass Berlin eine Oberstaatsanwältin Ines Karl beschäftigt, die sich speziell um homophobe Hasskriminalität kümmert. Wären Broder und die Achse des Guten, wie sie vorgeben, eine wie auch immer verstandene liberale Stimme der Vernunft, dann müsste doch die erste Frage lauten, wie es sein kann, dass die Einrichtung einer solchen Stelle für nötig befunden wurde. So wurden, wie Michael Miersch in einer halbherzig anmutenden Intervention anmerkt, in Berlin pro Jahr 422 solche Straftaten angezeigt, was bedeutet, dass zumindest mehr als eine solche Straftat in Berlin pro Tag begangen wird, Dunkelziffer nicht berücksichtigt.

Broder dagegen spielt im sicheren Wissen um die Ressentiments seiner Leserschaft diese Straftaten herunter und gegen Trickbetrüger, Intensivtäter und Straftäter mit Migrationshintergrund aus, deren Herkunft oft verschleiert werde. Wäre Broder noch ein liberaler Kritiker des Islam und islamisch formierter Gemeinschaften in Berlin und anderswo in Deutschland, dann würde er zumindest einmal darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht einen Zusammenhang gibt zwischen den homophoben Straftaten und einer Religion, die Homophobie predigt. Die Frage aber, was einen Rechten vom Islam geistig noch so furchtbar unterscheidet, der an Beatrix von Storch, PI und Konsorten anschlussfähig ist und sich auf Elsässers Familienkonferenz herumtreibt, ist in diesem Diskurs offenbar verboten. In jeder faschistischen Bewegung spielt aber nicht nur Antisemitismus eine zentrale Rolle, der von Hitler ja auch als Kampf gegen den Juden in uns und keineswegs nur gegen den Juden als Gegenrasse, sondern eben gerade auch als Gegenprinzip gefasst wurde, sondern eben auch der stets destruktive, immer auch nach innen gerichtete Hass auf sexuell abweichendes Verhalten, sexuelle Ausschweifung und natürlich insbesondere auf die Homosexualität.

Eine Islamkritik, die die Homophobie und Sexualpathologie nicht ins Zentrum stellt, sondern allerhöchstens ein instrumentelles Verhältnis zu ihr pflegt, wenn in politisch unliebsamen Regimes Homosexuellenverfolgung stattfindet und die zur Reflexion auf das eigene Triebleben unfähig ist, kann insofern nur mit Fug und Recht als „versifft“ bezeichnet werden.

Aus diesem Grund wird Henryk M. Broder der Titel „Wutbürger der Woche“ verliehen.

5 Antworten zu Henryk M. Broder

  1. genova68 schreibt:

    Gratuliere, jetzt habt ihr also die taz, Broder, Pirincci und PI in ein Boot gepackt. Das muss man erstmal hinkriegen. Und wer seine Leser um finanzielle Unterstützung bittet, der bettelt. Bettelt er auch aggressiv, muss man ihm die Bettelei also verbieten?

    Bleibt dran am Thema, Kameraden.

    Aber wer Hass-Seiten wie SoE verlinkt, der weiß, was er tut.

  2. genova68 schreibt:

    Und wie lautet die Interpretation eurer Bilderzeile ganz oben? Ditfurth, Bushido und Jebsen: alle in einem Boot?

    Papier ist geduldig, das Internet noch geduldiger.

  3. Thaddäus Tentakel schreibt:

    Na, eigentlich hatte er sich schon mit dieser Unsäglichkeit ganz gut in Position gebracht:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article120852781/Die-Dame-von-der-Bahn-verweigert-die-Bedienung.html

    Alle Gute!
    Thaddel

  4. Bruder Ganda schreibt:

    „Bereits seit Jahren ist an ihm das „Gremliza-Syndrom“ zu bemerken: Mit zunehmendem Alter kommt kaum eine Abrechnung und kaum ein Witz ohne sexualisierte Anspielungen aus“

    Diese Feststellung ist so nicht ganz richtig, denn Broder hat schon IMMER einen Hang zur Sexualisierung seiner Sprache gehabt. Bereits vor 30 Jahren wurde in seiner Sprache und in seinen Pöblikationen mit Geschlechtsteilen und ihrem Verkehr nur so um sich geworden, in der Regel auch grundsätzlich bei Leuten, die er als Gegner ausmachte, aber auch einfach nur so gegen irgendjemanden.
    Den Mann seiner (ehemaligen) Jugendfreundin von Richthofen hat er z.B. auch auf seinem Blog als „schwul“ denunziert – vielleicht aus primitiver Rache weil sie HMB abblitzen ließ: https://bigotterbroder.wordpress.com/2015/05/24/henryk-m-broder-kleiner-meister-der-denunziation-und-bigotterie/

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