Latzhosen-Man

Dass es sich bei der Piratenpartei um eine Ausgeburt der Hölle handelt, war von vornherein klar. Wie gut sich aber Scheinpragmatismus und postpolitischer Stil der Partei mit Antisemitismus und Antizionismus verträgt, zeigt sich nicht allein an den sogenannten schwarzen Schafen in der Partei, die, sei es aus Überzeugung, aus Dummheit oder sonstigen irrelevanten Gründen früher in der NPD waren und heute zu Seeräubern regrediert sind, sondern an den vorgeblich weißen Lämmern, die ihren Antisemitismus offen zur Schau stellen. Als pars pro toto für diese verabscheuungswürdige Partei, die sich von einem Haufen Wutbürger in ein rational nicht zu begreifendes Umfragehoch katapultieren ließ, wird Latzhosen-Man Gerwald Claus-Brunner zum Wutbürger der Woche gewählt.

Das erste, was einem an Latzhosen-Man auffällt, ist seine häßliche äußere Erscheinung. Ein viel zu groß geratener, unförmiger Körper, Spaghettihaare und natürlich gänzlich
orangefarbene Kleidung, bestehend aus eben jener Latzhose, klobigen Schuhen und einem verwaschenen (oder ungewaschenen?) T-Shirt. Abgerundet wird diese durch und durch abstoßende Gestalt durch „das Bluttuch der Judenvernichtung“, das er ganz selbstverständlich auf dem haarigen Hohlkörper trägt.

Was Einlassungen der Piratenpartei zur „Israelfrage“ betrifft, musste man von vornherein das Schlimmste befürchten. Oberfreibeuter Daniel Nerz breitete im Tagesspiegel bereits seine Version der „Auschwitzkeule“ aus, als er darüber fabulierte, dass Israels Politik zu den „aufgeladenen“ Themengebieten zähle.

Da schwingt die Angst mit, als Nazi dazustehen oder den Holocaust zu relativieren. Eine wirklich sachliche Diskussion wird dadurch sehr erschwert.

Wer aber glaubte, damit sei der Höhepunkt erreicht, der kannte Latzhosen-Man noch nicht. Als sein Bluttuch beim Zentralrat der Juden und namentlich bei Frau Knobloch auf Kritik stieß, äußerte er sich laut „Welt Online“ wie folgt:

Gerwald Claus-Brunner zeigte sich überrascht von der Kritik Knoblochs. „Die Meinung von Frau Knobloch muss ich respektieren, aber mich wundert, dass sie dann nicht zuerst das persönliche Gespräch sucht, sondern gleich über die Presse geht“, sagte er „Welt Online“.

Bislang sei er eher wenig auf das Tuch angesprochen worden. Kürzlich habe er sogar eine Veranstaltung zur Erinnerung an die Deportation der Berliner Juden am S-Bahnhof Grunewald inseinem üblichen Outfit besucht und selbst dort habe ihn niemand auf das Tuch angesprochen, auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde nicht. „Meiner Meinung nach wird in das Tuch ein politisches Statement hineininterpretiert.“

(…)

Knoblochs Vorwurf einer antijüdischen Einstellung kann Claus-Brunner trotzdem nicht nachvollziehen: „Den Vorwurf des Antisemitismus weise ich klar von mir.“ Er habe das Tuch 1995
von der Gastfamilie geschenkt bekommen, während er als Elektriker im Hafen von Haifa einen Kran repariert habe. Claus-Brunner studiert zurzeit neben seiner Abgeordnetentätigkeit Maschinenbau in Berlin. „Im Nahen Osten ist das Tuch ein
praktisches Kleidungsstück. Es dient als Witterungs- und Sonnenschutz.“

Man fragt sich unwillkürlich, warum er es dann offensichtlich in der heißen Sonne nicht getragen hat und stattdessen im eher schattigen Berliner Abgeordnetenhaus damit herumschlurft. Dass es sich bei seinem Bluttuch nicht um ein politisches Statement handele, dementiert Brunner umgehend mit einer Aussage, die ihn nicht nur für den Titel „Wutbürger der Woche“ als perfekten Preisträger auszeichnet, sondern auch ein heißer Kandidat für das dümmste Zitat des Jahres ist:

Seit 60 Jahren herrscht im Nahen Osten ein Konflikt und niemand kümmert sich darum.

Bis Latzhosen-Man kam – um die Menschheit zu beschützen! (Nein,
aus Versehen)

Wenn er ein politisches Statement mit dem Tuch verbinden wolle, dann der, dass man bitte bald eine Einigung finde. „Ich werde das Tuch erst ablegen – und dann mit sehr großer Freude – wenn beide Parteien im Nahost-Konflikt einen Kompromiss gefunden haben und Frieden herrscht.“ Dazu gehöre für ihn, dass Opfer entschädigt und Täter bestraft werden.

Latzhosen-Man wird nicht eher ruhen, bis er Benjamin Netanjahu nach Den Haag gezerrt hat. Da es dazu aber vorerst nicht kommt, wird er schon einmal vorsorglich als Wutbürger der Woche ausgezeichnet, man weiß ja nie, wann der Urnenpöbel die Lust an seinen neuen Helden verliert.

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2 Antworten zu Latzhosen-Man

  1. François Olivier schreibt:

    An sich ist es ja eine Sache des Anstands, seine Polemik nicht über körperliche Defekte des Gegners zu beziehen.

    In diesem Fall ist es tatsächlich anders:

    These:

    Dass Piraten-Faxe-Wutbürger „Latzhosen-Man“ Gerwald (btw., ich wäre lieber tot, als mit solch einem Namen durch die Welt zu rennen) Claus-bla im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten ist, ist gerade seinem eher abstoßenden Äußeren zu verdanken.

    Das ist bekanntlich nicht so toll, was er wohl aber mit den allermeisten von uns teilen muss, was auch nicht weiter schlimm ist. (Wer darf schon so aussehen wie bspw. Natalie Hershlag oder Gregory Peck?). Aber diese Hässlichkeit zur Schau zu stellen, sich noch häßlicher zu machen, als man eh schon ist, das abstoßende Äußere geradezu zu inszenieren?
    (Statt sich mit allgemein bekannten kleinen Kniffen vielleicht ein wenig ansehnlicher zu gestalten, kommen die absurde Kleidung, eine Frisur, die an diesem Begriff frevelt – man darf fast froh darüber sein, dass sie permanent von einem abstoßenden Hasstuch verdeckt ist – und adipositas per magna hinzu.)

    Nicht nur ein Wutbürger, sondern ein Deutscher, wie er im Buche steht.
    Dieses rotzig-offensive Bekenntnis zur eigenen Hässlichkeit, dieses Fehlen eines jeden Begriffs von Ästhetik oder gar Schönheit, mit der dementsprechend grotesken Kleidung und den ungehobelten Umgangsformen wird als Ideal imaginiert, Hauptsache „ehrlich“.

    Der Rest, liebe Freunde und Freundinnen, steht kondensiert und ca. 1.000 mal besser in der Einleitung von Norbert Elias‘ „Prozeß der Zivilisation“.
    (Warum wird dieser großartige Text, der für mich ein Schlüssel zum politischen Weltverständnis war, eigentlich kaum noch rezipiert?)

    Noch präziser gesagt:
    „Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach Äußerlichkeiten“. (Oscar Wilde)

  2. Jürgen Schulz schreibt:

    Was unbedingt noch erwähnt hätte werden müssen, ist, dass er seit Knoblochs Kritik den Schild Davids an einer Halskette trägt. Ohne Scheiß.

    Die Kritik seines sonstigen Aussehens ist allerdings genau so eklig wie der Claus-Brunner selbst.

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