Matthias Lehnert

Eine der sinnlosesten Arten, 3 Euro und 20 Cent zu verschleudern, besteht darin, die linke Wochenzeitung „Jungle World“ käuflich zu erwerben. Wenn dieser Fehler aus Gründen der Lernresistenz doch wieder einmal begangen wurde, findet man bei der zähen Lektüre allerhand Gründe, mit dem Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. Das wäre allerdings noch nicht der Rede wert, denn was will man von einem Blatt erwarten, das Knallchargen wie Bernard Schmid, Peter Nowak und Jörg Kronauer Raum für ihren Unfug bietet. Allerdings besteht Grund zu der Vermutung, dass selbst hartgesottene Abonnenten die „Artikel“ dieser „Autoren“ gar nicht erst beachten, da sie ohnehin komplett unleserlich sind.
Man sollte also vermuten, dass die Lektüre dieser Kinder-taz niemanden mehr schocken kann. Doch wer das glaubt, kennt Matthias Lehnert noch nicht (und wir entschuldigen uns hiermit ausdrücklich bei denen, die ihn auch niemals kennenlernen wollten). Es lohnt sich allerdings wirklich, das Lehrstück einer antirassistischen Propagandalüge einmal genauer zu betrachten, das die „Jungle World“ in der aktuellen Ausgabe (Nr. 1, 2012, 5.1.2012) abgedruckt hat. Um die Weisheit der Jury bei der Erteilung des Preises „Wutbürger der Woche“ an Matthias Lehnert zu verstehen, muss man zunächst einmal den Sachverhalt klären, den sein Text behandelt, weil dieser im Text selbst nicht bzw. vollkommen falsch dargestellt wird.

Am 11. Februar 2011 waren zwei Männer von vier Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren in Berlin am U-Bahnhof Lichtenberg angegriffen worden. Einer der beiden Männer wurde dabei so schwer verletzt, dass er wochenlang im künstlichen Koma lag und sich bis heute aufgrund schwerer Hirnverletzungen nicht an den Tathergang erinnern kann. Der zweite Mann kam mit Prellungen davon. Was nun aber macht einen solchen Hergang zu einem antirassistischen Lehrstück? Man ahnt es bereits: Die beiden Opfer waren Deutsche und noch dazu Handwerker, die vier Täter verfügten über einen sogenannten Migrationshintergrund. Nachdem sie mit Hilfe von Überwachungskameras gefunden werden konnten, legten die Täter rasch ein Geständnis ab:

Nach dem Angriff auf zwei Handwerker im Berliner U-Bahnhof Lichtenberg haben die mutmaßlichen Täter Schläge und Tritte gestanden.

Die Jugendlichen – drei 17-Jährige sowie ein 14-Jähriger – bestritten aber eine Tötungsabsicht, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Berliner Maler wurde bei dem Überfall am Freitagabend so schwer verletzt, dass der 30-Jährige später ins Koma fiel.

Der andere Maler aus Rostock in Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls attackiert, konnte aber fliehen.
(…)
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Täter und Opfer nicht kannten. „Es hätte jeden treffen können“, so Sprecher Steltner. Das Quartett habe ohne ersichtlichen Anlass jemanden „abziehen wollen“.
Nach der Prügelattacke auf die Handwerker erbeuteten sie ein Handy. Zudem wurde dem schwer verletzten Opfer von einem Unbeteiligten die Jacke gestohlen.

Dem Berliner Maler gehe es so schlecht, dass er nicht befragt werden könne, sagte Steltner. Die Polizei war den Tätern anhand von Videoaufnahmen auf die Spur gekommen. Einer von ihnen soll zuvor an einem Anti-Gewalt-Training teilgenommen haben.

Am 21. Dezember des vergangenen Jahres hat das Landgericht Berlin das Urteil verkündet:

Nach der brutalen Prügelattacke im U-Bahnhof Lichtenberg hat das Landgericht Berlin vier jugendliche Schläger wegen versuchten Mordes zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Allerdings blieben die Richter unter den Forderungen des Staatsanwalts.
Nach dem Gewaltexzess in einem Berliner U-Bahnhof hat das Landgericht vier junge Schläger des versuchten Mordes schuldig gesprochen und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das teilte der Sprecher des Landgerichts, Tobias Kaehne, am Mittwoch nach der Urteilsverkündung in dem nicht öffentlichen Prozess mit. Das Quartett habe sein Opfer aus Lust an der Gewalt misshandelt. Die Jugendlichen bekamen Freiheitsstrafen zwischen vier und sechs Jahren.

Die Schüler im Alter zwischen 15 und 18 Jahren hatten im Februar einen Handwerker im U-Bahnhof Lichtenberg mit Tritten gegen den Kopf und Schlägen bis zur Bewusstlosigkeit gequält. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, ein Verteidiger kündigte bereits Revision an.

Der Angriff hatte bundesweit Entsetzen hervorgerufen. Der 30 Jahre Maler erlitt schwerste Kopfverletzungen und lag wochenlang im künstlichen Koma. Er kämpfte sich nur mühsam zurück ins Leben. Eine Narbe am Hinterkopf ist immer noch zu sehen. Der junge Mann hatte den Prozess verfolgt, kam aber nicht zur Urteilsverkündung. Wegen der schweren Hirnverletzungen kann er sich kaum erinnern.

Sein gleichaltriger Kollege kam mit Prellungen davon. Er hatte zunächst aus dem Bahnhof fliehen können, wurde dann aber von den Schlägern aufgespürt. Die beiden Maler waren kurz vor Mitternacht auf dem Heimweg, als sie angegriffen wurden.

Die Schüler mit Migrationshintergrund hatten Schläge und Tritte eingeräumt. Tötungsabsichten bestritten sie aber. Der ursprüngliche Vorwurf, die jungen Männer hätten aus Hass auf Deutsche zugeschlagen und getreten, erhärtete sich laut Urteil nicht. Das Strafmaß blieb unter der Höchstforderung der Staatsanwaltschaft von knapp acht Jahren Haft.

Man könnte meinen: Traurige Normalität. Nicht aber für den antirassistischen Spürhund Matthias Lehnert, für den die Beurteilung dieses Vorgangs entscheidend davon abhängt, welche Nationalität Täter und Opfer haben. Seine Version und Interpretation des Vorgangs, die bewusst komplett zitiert wird, weil nur so das Ausmaß des Irrsinns angemessen dargestellt werden kann, setzt folgendermaßen an:

Zum Wohl des Volkes

Straftaten, die Migranten an Deutschen verüben, können schärfere Sanktionen nach sich ziehen, wenn als Motiv ein sogenannter Deutschenhass unterstellt wird. Geht es um wirklichen Rassismus, ist das Strafrecht zurückhaltend bis ignorant.

Man merkt bereits: Hier wird zunächst einmal zwischen eigentlichem und uneigentlichem „Rassismus“ unterschieden. Hasst ein Deutscher einen Ausländer, ist das Rassismus, hasst der Ausländer den Deutschen, ist das „sogenannter Deutschenhass“. Dass es sich dabei bereits um einen originären Rassismus handelt, wird Leuten wie Lehnert wahrscheinlich auf ewig unbegreiflich bleiben. Man fragt sich aber vor allem: Was hat dieser Unfug mit dem Fall zu tun, bei dem ein Mensch möglicherweise für den Rest seines Lebens zum Krüppel geschlagen wurde? Lehnert weiß eine Antwort:

Das Landgericht Berlin hat vor zwei Wochen vier Jugendliche wegen versuchten Mordes zu hohen Haftstrafen verurteilt, nachdem diese im Februar des vergangenen Jahres zwei 30jährige Berliner am Bahnhof Lichtenberg angegriffen und einen von ihnen bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt hatten. Die Staatsanwaltschaft, deren Antrag und Begründung das Gericht sich weitestgehend anschloss, hatte den Tätern einen „Hass auf Deutsche“ unterstellt und deshalb eine besonders empfindliche Strafe gefordert. Sie hatte damit ein Phänomen untermauert, das seit geraumer Zeit durch die Gazetten geistert: die sogenannte Deutschenfeindlichkeit.

Wie wichtig es ist, sich den wirklichen Sachverhalt vor Augen zu führen, zeigen diese dreisten Lügen. Denn erstens blieb, wie oben dargestellt wurde, das Gericht klar unter der geforderten Strafe, zweitens aber schloss sich das Gericht ausdrücklich nicht der Begründung an, die Täter hätten aus Deutschenfeindlichkeit gehandelt. Liest man genau, behauptet Lehnert als geübter Propagandist weder das eine noch das andere. Er schreibt lediglich, dass sich das Gericht Antrag und Begründung der Staatsanwaltschaft „weitestgehend“ anschloss – also praktisch in allem außer Strafmaß und Motiv. Allein für diese perfide Darstellung hätte sich Matthias Lehnert den Titel „Wutbürger der Woche“ redlich verdient, von seiner Verharmlosung der Verletzungen des Opfers mal abgesehen (es war ja auch nur ein Deutscher, der Opfer „sogenannter Deutschenfeindlichkeit“ wurde, und kein armer Migrant, der an deutsche und also rassistische Schläger geriet, da würde er sicherlich die Verletzungen in epischer Breite beschreiben, der elende „Anti“rassist!). Denn sein Thema ist nicht der Vorfall selber, sondern das Leugnen des Offensichtlichen: Dass es in diesem traurigen Land nicht nur Autochthone gibt, die Allochthone hassen, sondern dass das selbstverständlich auch andersrum nicht nur möglich ist, sondern auch gar nicht einmal selten vorkommt. Nur darum befasst sich einer wie Lehnert überhaupt mit dem Fall:

Denn weder ist klar, was unter dieser Deutschenfeindlichkeit zu verstehen ist, noch existieren valide empirische Erkenntnisse, sondern allenfalls ein paar vage „Erfahrungsberichte“ aus der gerichtlichen Praxis. Ohnehin verfolgt die Debatte nicht den Zweck, die Realität zu ergründen: Die Rede von der Deutschenfeindlichkeit ist selbst rassistisch, indem sie eine Bedrohung der deutschen Bevölkerung durch „fremde Migranten“ kreiert. Umso skandalöser ist es, dass rassistische Motive von Straftaten an Migranten weiterhin nur sehr zurückhaltend sanktioniert werden. Ein EU-Beschluss von 2008, wonach rassistische Beweggründe bei Straftaten strafverschärfend berücksichtigt werden sollen, wird nicht umgesetzt. Zahlreiche Gerichte und Staatsanwaltschaften neigen dazu, derartige Beweggründe bei der Klärung von Sachverhalten schlicht zu ignorieren. Das Jugendgericht Stendal etwa stellte im Februar vergangenen Jahres gegen geringe Auflagen ein Verfahren gegen drei Jugendliche ein, die einen 29jährigen mit den Worten „Du Scheißneger, geh zurück in Dein Affenland!“ beleidigt und anschließend im Gesicht verletzt hatten – den Motiven der Täter schenkte das Gericht keine Beachtung.

Hat sich ein echter Wutbürger wie Lehnert einmal so richtig in Rage geschrieben, fällt es kaum noch auf, dass er Straftaten Motive andichtet – das Ressentiment sprudelt so ungehemmt, dass man sich spontan übergeben möchte. Es wird die Opfer deutschenfeindlicher Übergriffe sicherlich trösten, dass es keine validen empirischen Erkenntnisse über sie gibt, dass ihre Gewalterfahrungen nichts als vage „Erfahrungsberichte“ sind. Offensichtlicher kann man Opfer durch sogenannte „gruppenbezogene Menschlichkeit“ motivierter Gewalt nicht verhöhnen, aber gerade das macht ja den Antirassisten aus. Für ihn sind nicht etwa diejenigen Migranten, die Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen hassen oder angreifen, Rassisten, sondern diejenigen, die diesen Zustand beklagen – eine geradezu klassische Täter-Opfer-Umkehrung, wie sie bei keiner anderen „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ von Lehnert und Konsorten geduldet würde (mit einer Ausnahme wohlgemerkt – doch dazu später). Dass es bereits nach den einfachsten Regeln der Logik unsinnig ist, einerseits die Erlebnisse der Opfer von „sogenannter Deutschenfeindlichkeit“ als „vage „Erfahrungsberichte““ zu denunzieren, andererseits zur Untermauerung der Thesen vom allgegenwärtigen Rassismus und der Ignoranz der Justiz sich nicht auf empirische Erkenntnisse, sondern auf einen Erfahrungsbericht zu stützen, fällt da schon beinahe nicht mehr auf, sondern passt nur allzu gut ins Bild. Denn nun kommt Lehnert zum Zweck des Tatsachenverdrehens, Faktenverbiegens und Tatsachenverfälschens:

Auf diese Weise scheint die Justiz ihren genuinen Auftrag zu erfüllen: Indem sie eine Bedrohung der Mehrheitsgesellschaft konstruiert und deren Rassismus elegant verschleiert, handelt sie zum Wohle des Volkes, zu dem jedoch nur Deutsche ohne Migrationshintergrund gezählt werden. Dass Justitia nicht blind ist, sondern eine rassistische Brille trägt, ist nichts neues. Während eine Tötung in Form eines sogenannten „Ehrenmordes“ völlig zu Recht strafverschärfend behandelt wird, beruhen Tötungen aus „normaler Eifersucht“nach der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofes dann nicht auf niederen Beweggründen, wenn die Eifersucht nachvollziehbar erscheint – obwohl beide Phänomene auf ein patriarchal geprägtes Besitzdenken der Täter zurückzuführen sind.

Hier nun sehen wir, welche Opfer „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ bei Lehnert und Konsorten auf mindestens ebenso niedriger Stufe der antirassistischen Opferhierarchie stehen wie die unterprivilegierten Deutschen, die das Schicksal getroffen hat, dort leben zu müssen, wo der Islam majoritär ist und die deswegen oft genug allenfalls den Status des Dhimmis haben: Die unter dem islamischen Patriarchat leidenden Frauen. Ehrenmord und Mord aus Eifersucht ist in dieser kruden Logik beides Ausdruck „patriarchalen Besitzdenkens“ – dass solch ein offenkundiger Unfug nicht korrigiert wurde, beweist, dass die „Jungle World“ jeden Dreck abdruckt, der ihr gratis zugeschickt wird. Dass dem Antirassisten aber nichts zu blöde ist, beweist die wundervolle Projektion, mit der Lehnert seinen „Artikel“ beendet:

Warum also nicht gleich auch rassistische Motive, die gemeinhin als „fremdenfeindlich“ bezeichnet werden, strafmildernd und zugunsten der Täter berücksichtigen? Denn kann es nicht auch nachvollziehbar sein, Angst vor „Fremden“ zu haben? Liebe Vertreter der deutschen Justiz: Warum sind Sie noch nicht selbst auf diese Idee gekommen?

Von Lehnert lernen heißt siegen lernen: Auf welche Idee kamen wohl die 4 jugendlichen Schläger (zumindest laut rbb, eine nicht erst seit Ken Jebsen zweifelhafte Quelle, wenn auch seriöser als die „Jungle World“), nachdem sie einen zufällig vorbeikommenden Passanten zum Krüppel geschlagen hatten, ihren wahnsinnigen Gewaltexzess zu rationalisieren:

Laut Steltner gaben die Verdächtigen bei Vernehmungen nach ihrer Festnahme am Dienstag an, sie seien von den Handwerkern durch „Sieg Heil“- Rufe provoziert worden.

Gelernt haben sie dies von Leuten wie Matthias Lehnert, die ihnen ununterbrochen suggerieren, in Deutschland wimmele es nur so von gewalttätigen Rassisten und ihre Taten seien quasi präventive Notwehr. Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, Matthias Lehnert zum Wutbürger der Woche zu ernennen.

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6 Antworten zu Matthias Lehnert

  1. tapferimnirgendwo schreibt:

    „Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, Matthias Lehnert zum Wutbürger der Woche zu ernennen.“

    Verdient!

  2. qwert zuiopü schreibt:

    „Hat sich ein echter Wutbürger wie Lehnert einmal so richtig in Rage geschrieben, fällt es kaum noch auf, dass er Straftaten Motive andichtet“

    verstehe ich das grad richtig: in dem fall,den lehnert als beispiel anführt würde den tätern der rassismus nur „angedichtet“? „scheiß neger-geh zurück in den affenland“ zu schreien und dem opfer dann ins gesicht zu schlagen,das klingt für mich schon nach rassismus…

  3. abgwb schreibt:

    Nicht Straftaten haben Motive, sondern Straftäter. Darum geht es. Dass jemand, der einen anderen als „Scheißneger“ (oder auch als „Scheißdeutscher“) beschimpft und angreift, sogenannte „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ zeigt, ist doch vollkommen unstrittig.

  4. Pingback: starblog

  5. qwert zuiopü schreibt:

    ach so,ok,dann stimm ich dir zu.wobei ich immernoch der an sich bin,dass hinter den attacken jugendlicher mit islamischem hintergrund auf „autochthone“ deutsche keine „deutschenfeindlichkeit“,sondern eher ein allgemein anti-westliches ressentiment steckt. gegen typen wie pierre vogel und seine zum teil aus konvertierten deutschen bestehende islamnazi-gang haben die ja z.b. nix.

  6. qwert zuiopü schreibt:

    *es muss natürlich „der ansicht“ heißen und nicht „der an sich“

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