Ultras St. Pauli (USP)

Es ist keine ganz neue Erkenntnis, dass dort, wo sich hirnloser Linksradikalismus mit lustvoller Gewaltausübung  paart, die entsetzlichsten Antifa-Gruppen entstehen, die vielerorts große Überschneidungen zu den lokalen Ultra-Gruppen aufweisen. Vorreiter und Vorbild dieser Entwicklung  ist Hamburg und dort der FC St. Pauli, der seit der Besetzung der Hafenstraße vor ca. 30 Jahren zum „linken“ Club wurde, dessen Anhänger sich dezidiert als politisch verstehen.

Die größte und wichtigste Fangruppe dort sind die Ultras St. Pauli (USP), an deren Verhalten sich exemplarisch zeigen lässt, was passiert, wenn linke Schläger in einer Kurve, einem Viertel, einem Kiez ihr gegensouveränes Faustrecht an die Stelle des staatlichen Gewaltmonopols setzen. Bereits vor drei Jahren hatte die Gruppe eine sogenannte Blocksperre, also das absichtliche Freilassen aller Plätze eines bestimmten Bereichs im Stadion, gewaltsam durchgesetzt, wobei es zu Handgreiflichkeiten gegen Zuschauer kam, die das Spiel von ihrem Platz aus verfolgen wollten. Damals hatten Vereinsvertreter zwar vollmundig Konsequenzen angekündigt, da ein solches Verhalten nicht hinnehmbar sei. Passiert ist aber äußerst wenig, so dass die Kurvenmiliz sich ermutigt fühlen durfte, andere Zuschauer weiterhin zu drangsalieren.

Durch umfangreiche Spitzelaktivitäten konnten die Ultras St. Pauli herausfinden, dass ein Mitglied des Fanclubs „Millerntor Devils“, der in derselben Kurve steht und mit denselben Bussen zu Auswärtsspielen reist, ein Polizist ist, der sich in seiner Freizeit offenbar gerne Spiele des FC St. Pauli ansieht. Sofort erging gegen den betreffenden Polizisten und die „Millerntor Devils“, denen vorgeworfen wurde, den Schädling gedeckt zu haben, die Höchststrafe: Ihnen wurde „nahegelegt“, die Fankurve nicht mehr zu betreten. Zur Begründung wurde eine Fatwa unter dem Titel Bullen aus der Kurve veröffentlicht, auf die näher einzugehen völlige Zeitverschwendung wäre, da der Text gegen sich selbst Zeugnis ablegt.

Im Hass auf Polizisten, die „Bullenschweine“, die „Repressionsorgane“ des Staates liegt das ganze Elend linker „Staatskritik“, die nichts als Staatsfetischismus ist und die „verkürzt“ zu nennen vollkommen verharmlosend wäre. Denn es ist ja keineswegs so, dass man es in linken Kreisen generell nicht mit Staatbediensteten, mit Juristen, Lehrern, Sozial- und Sachbearbeitern hielte. Mit einer Staatskritik, die bei den als „Bullen“ entmenschlichten Polizisten haltmacht, kann es von vornherein nicht weit her sein. Aber selbst wenn man den gesamten Apparat ins Visier nähme, so bleibt das Problem die klassisch linke Abspaltung der Souveränität vom Staat, der gleichzeitig als Sozialstaat gepriesen wird. Wie der Antisemitismus die böse Spekulation von der guten Realwirtschaft scheidet, zeichnet sich der Antizionismus dadurch aus, das Gewaltmoment jeder Staatlichkeit frei von der Erkenntnis anzugreifen, dass Schlimmeres jederzeit möglich ist und unter den gegebenen Umständen „Residuen von Freiheit“ nur dort möglich sind, wo das staatliche Gewaltmonopol sowie Rechtsstaatlichkeit durchgesetzt sind.

Dass es Menschen gibt, die sich israelsolidarisch gebärden und trotzdem diese linke „Staatskritik“ durchexerzieren, dass es Menschen gibt, die gegen Spekulanten hetzen und trotzdem so philosemitsch daherreden, wie sie nur können, steht nicht im Widerspruch zu dieser Erkenntnis, sondern zeigt lediglich, wie folgenlos verschiedene Einstellungen, Meinungen und Haltungen in den meisten Monaden nebeneinander existieren können, ohne je in Konflikt zu geraten, da diese nicht fähig sind, auch nur einen Gedanken in seiner Konsequenz durchzudenken. Es ist kein Zufall, dass linke Antizionisten jeder Couleur, von Judith Butler und ihren progressiven Freunden von der Hamas bis zu linken Ultragruppen, dieselben Vorstellungen haben, was an die Stelle des staatlichen Gewaltmonopols zu treten habe. Sie folgen dem Ideal der Bande, des Rackets, das Gewaltmonopol und Rechtsstaatlichkeit untergräbt und innerhalb eines Territoriums sich als gegensouveräne Macht setzt.

Das Beispiel USP zeigt, dass dort, wo solche Banden sich durchsetzen, alles nur noch viel schlimmer kommt, als es unter dem staatlichen Gewaltmonopol ohnehin schon ist. Ihre Gewalt wird durch kein positives Recht gezügelt, gegen ihre Entscheidungen gibt es keine Einspruchsmöglichkeiten mehr, der Bulle hat zu weichen und mit ihm seine Fanclubkollegen. Von Seiten des Vereins haben die Ultras St. Pauli nichts zu befürchten: Für das Fanprojekt ist die Angelegenheit mit dem „freiwilligen“ Umzug der „Millerntor Devils“ in einen anderen Teil des Stadions erledigt, auch wenn man sich bemüßigt fühlt mitzuteilen, dass die Gruppe „kein Hausrecht“ habe, was durch den Vorfall eindrucksvoll widerlegt wird. Der FC St. Pauli steht mit all seinem politischen Getue noch unendlich tief unter all den unpolitischen Fußballvereinen, die jedem, der sich an bestimmte, weit gefasste Benimmregeln hält, den Besuch eines Fußballspiels gestatten.

Es bleibt Menschen, die nicht in Stadtvierteln leben wollen, in denen unliebsame Personen Kiezverbot bekommen, die sich nicht drangsalieren lassen wollen, weil irgendwelchen Linksfaschisten die Nase, das Outfit oder sonstiges nicht den Kram passt und die öffentliche Veranstaltungen besuchen wollen, ohne vorher nachweisen zu müssen, dass sie keine Voll-, Halb oder Viertelbulle sind, nichts anderes übrig, als vernehmbaren Einspruch gegen linke Landnahme zu erheben und im Zweifel mit den Repressionsorganen, d.h. der Polizei, gegen Kiez- und Fußballschläger zu kooperieren. Die „Freiräume“, die diese Gruppen sich erkämpfen, sind Vororte der Hölle, in denen für Individualität kein Platz bleibt. In diesem Sinne gilt es auch beim Fußball den Anfängen zu wehren und linksfaschistischen Rackets entschieden entgegenzutreten. In der Hoffnung, damit einen kleinen Beitrag zur Zerschlagung der Ultras St. Pauli zu leisten, wird ihnen die Auszeichnung „Wutbürger der Woche“ zugesprochen.

Advertisements

16 Antworten zu Ultras St. Pauli (USP)

  1. richard schreibt:

    Bleibt die Frage offen, wer hier eigentlich die Wutbürger sind?

    Würden sie sich eigentlich als Rechts(liberal) begreifen?

  2. abgwb schreibt:

    Wer so freundlich fragt, dem soll geantwortet werden:
    1.) USP
    2.) Nein

  3. tboi schreibt:

    Meiner meinung steht hier usp eventuell nur exemplarisch für den gros der ultra Gruppen in Deutschland, denn „unpolitische“ oder rechtsoffene gruppen agieren doch ähnlich und schwadronieren genauso von „freiräumen in der kurve“. Ich bin mir nicht sicher ob es was mit der linken Gesinnung der USP zu tun hat oder vielmehr mit einer bestimmten Ideologie, die allgemein in vielen ultra Gruppen herrscht.

  4. Studendekopp schreibt:

    Macht Euch mal lieber grade, Ihr Lutscher!

  5. skp schreibt:

    „ohne vorher nachweisen zu müssen, dass sie keine Voll-, Halb oder Viertelbulle ist“

    Bullen: die neuen Juden. Diese Verharmlosung des Holocaust ist schon sehr typisch für Antisemiten wie euch. Polizisten wählen sich ihren Beruf – abgwb Ineinsetzung ergibt: Juden wählen ihr Judesein auch – ergo selbst schuld die Juden!

  6. classless schreibt:

    Ach, skp, das verstehst du sicher bloß nicht (ich auch nicht), weil nur der denkende, nicht-wütende Kritiker, wie er von Adorno widerspruchsfrei entworfen wurde, fähig ist, einen Gedanken in seiner Konsequenz durchzudenken.

  7. Weltkritik schreibt:

    Schöner Text, bis auf den Umstand, dass Du die Bullen – keine Entmenschlichung intended – ein wenig zu sauber wegkommen lässt. Es sind eben keine Lehrer oder Müllwerkerinnen, sondern Träger des Gewaltmonopols und dabei selbst ein Racket. Empfehle dazu in aller Bescheidenheit einen Text von meinem sträflich vernachlässigten Blog: https://tinyurl.com/qcdravh

  8. Klaus Störteforde schreibt:

    Hab schon bessere Satire gelesen. Schade, hätte man mehr draus machen können. So ist leider nicht besser als der 11-Freunde-Artikel über in die verbotenen Berufsgruppen…

  9. golden_thunder schreibt:

    Hahaha da bleibt mir jeglicher Versuch der eloquenten Antwort ob der systemkonservatieven Propaganda, die nur so vor dumm dreisten Plattheiten strotzt im Halse stecken …

  10. Oi schreibt:

    Anzeige erstatten? Nein, da sollte es schon die Kooperation – auf Augenhöhe – mit der Polizei sein. Welch süßer feuchter Knabentraum.

  11. Kasper schreibt:

    Statusmeldung: Zerschlagung der Gruppe USP ist auf dem besten Wege. Dieser Beitrag hat ihnen den Rest gegeben!

  12. biber schreibt:

    Frage an den Autor:
    Ist das Kuscheln mit Gartenzwergen sowie die Lektüre von Druckwerken wie BILD, SPIEGEL, FOCUS, BLITZ-Illu eigentlich förderlich, um solche Texte zu verfassen?

    Empfehlung an den Autor:
    Egal, was Sie nehmen, nehmen Sie weniger

  13. Alle Ultras sind gemein und böse! schreibt:

    Solch einen Text, hätten die Hamburger-Abendblatt-, Bild-Zeitungs- und Hamburger Morgenpost-Autoren nicht besser verfassen können. Respekt!

    Merkste was?

  14. Wanst Hurst schreibt:

    Die interessanteste Frage hier ist tatsächlich, warum der Autor eigentlich kein „Rechtsliberaler“ sein will und warum er sich für so viel interessanter hält als den handelsüblichen law-and-order-Kolumnisten bei Springer. Dass „unter den gegebenen Umständen ‚Residuen von Freiheit‘ nur dort möglich sind, wo das staatliche Gewaltmonopol sowie Rechtsstaatlichkeit durchgesetzt sind“, ist das Credo der langweiligsten Demokraten. Also: Ohne Polizei geht es nicht, jetzt seid doch mal vernünftig. Die Zitate aus der Frankfurter Schule dienen nur noch dazu, sich interessant zu machen und zu verhindern, dass man aus Versehen in die CDU eintritt. Demselben Zweck dienen die Übertreibungen, unterm „Vorort der Hölle“ und den Nürnberger Gesetzen macht man es hier nicht. Sonst blieben schnell nur ein paar Hamburger Fußballfans über, die zu oft von Bullen auf die Fresse bekommen haben, um sich mit einem anzufreunden. Und wen würde das interessieren?

  15. abgwb schreibt:

    Nein, die interessanteste Frage ist die, warum ein Haufen linker Menschen von bescheidenem Verstand glaubt, hier sinnentleerte Kommentare hinterlassen zu müssen. Wer die Auffassung nicht teilt, dass dieses Kiezmiliz-Gebahren gegen jeden zivilisatorischen Mindeststandard verstößt und dass gegen solche linken Schlägertypen keine Polemik scharf genug ist, dass also die kurze und nicht in die Tiefe gehende Erledigung einer überflüssigen Gruppierung noch zu freundlich ist, der hat sich hierher nur verlaufen. Es geht darum, dass Fußballfantum generell, zumindest aber das in organisierten Fangruppen, die sich mit Polizei und rivalisierenden Fangruppen prügeln, simple, tumbe, klar definierte Feindbilder pflegt, eine Keimzelle faschistischen Denkens ist. Wenn man sich fragt, was das mit Adorno zu tun hat, dann hat man von seiner Warnung vor den „massenhaft Vereinzelten“ und seiner Kritik identitären Denkens noch nie gehört. Und folglich hier nichts verloren. Solche Kommentare werden nach diesem abschließenden Statement hier auch nicht mehr publiziert.

  16. Pingback: Das Problem Dynamo Dresden - Seite 2 - Lovetalk.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s